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Gunther Czepera spricht über den Abbruch, TTR-Werte und die Finanzen

BTTV-Vizepräsident Sport steht im Interview Rede und Antwort

Gunther Czepera (Foto: privat)

Am 12. Februar hat der BTTV die Saison im Mannschaftsspielbetrieb und weite Teile des Einzelspielbetriebs mit sofortiger Wirkung eingestellt. Andere Landesverbände und der für die Bundesspielklassen (2. Liga bis Oberliga) zuständige DTTB zogen wenig später nach. Zuvor hatten sich Landesverbände und DTTB in einer Videoschalte ausgetauscht, an der auch Gunther Czepera teilgenommen hatte. Wir haben den BTTV-Vizepräsidenten Sport zum Abbruch der Spielzeit und zu den Begleiterscheinungen befragt.

Die Reaktionen auf den Saisonabbruch im BTTV waren im Großen und Ganzen zustimmend. Kannst du uns den Entscheidungsprozess ein bisschen näherbringen? War die Entscheidung eindeutig?
Gunther Czepera:
 Die Entscheidung im BTTV-Präsidium ist einstimmig gefallen. Vor der Entscheidung haben wir noch die Meinung der Sportwarte in Bayern und auch der Bezirksvorsitzenden eingeholt. Auch da hat sich die große Mehrheit für einen Abbruch ausgesprochen.

Hessen und der BTTV haben als erste abgebrochen, der DTTB und andere Verbände zogen kurze Zeit später nach, manche Verbände zögern noch. Hat man nicht versucht, eine bundesweite Einheitlichkeit in der Entscheidungsverkündung zu erreichen?
Czepera:
 Wir hatten schon vor Wochen festgelegt und kommuniziert, dass unsere Entscheidung am 12. Februar bekanntgegeben wird. Die Situation in den Landesverbänden ist schon auch unterschiedlich. Und ehrlich gesagt, wen interessiert es in Hamburg, wenn wir in Bayern eine Bezirksliga abbrechen? Wichtig ist vielmehr, dass die allgemeinen Rahmenbedingungen durch die einheitliche, bundesweite Wettspielordnung für alle gleich sind.

Die Reaktionen auf den Abbruch per E-Mail oder die Sozialen Medien waren meist zustimmend. Es gab aber auch die eine oder andere kritische Stimme. Gehen wir mal ein paar Standpunkte durch:
Warum gab letztlich keine Alternative zu einem Abbruch? Hätte man die Saison nicht in den Sommer hinein verlängern können oder einfach im September zu Ende spielen können? 
Czepera:
 Die Diskussion haben wir nicht geführt, weil es feste Termine für eine Spielzeit gibt, die einzuhalten sind. Und an diesen Terminen wollten wir nicht rütteln. Für uns in Bayern war die Sache so, dass wir bis Pfingsten die Saison hätten zu Ende spielen müssen. Wenn wir aber Anfang März nicht in die Hallen kommen, macht das keinen Sinn. Wir haben gesagt, dass wir innerhalb unserer Spielzeiten bleiben. Man sieht, welche Problematik jetzt der Fußball hat. Da weiß man schon gar nicht mehr, in welcher Spielzeit die sich aktuell überhaupt befinden. Das wollten wir im Tischtennis vermeiden. Wir haben gesagt, bei uns fangen alle bei Null an. Und die Hoffnung ist da, dass es im September wieder weitergehen kann – so normal wie möglich.

Einige Kommentare betreffen die Regelung um die TTR-Werte. Warum bleiben die TTR-Werte trotz der Saison-Annullierung bestehen? 
Czepera:
 Wir dürfen nicht einfach darüber hinweggehen, dass die Annullierung der Saison nur den Mannschaftsspielbetrieb betrifft. Was ist mit Einzel-Turnieren, die stattfanden? Sollen diese Werte dann auch weggenommen werden? Der TTR-Wert bildet die Spielstärke eines Einzelnen ab. Wäre das Einzel Müller gegen Meier anders ausgegangen, wenn beide vom Saisonabbruch gewusst hätten? Bei einer Spielwertung durch ein Gericht bleiben die gespielten Einzel auch in der Wertung. Ohnehin kann man es nicht allen Recht machen. Wenn man tatsächlich auch die Punkte „annullieren“ würde, dann würden sich die beschweren, die vielleicht Punkte gesammelt haben. 

Eine Frage, die in die ähnliche Richtung geht: Viele Spieler, die in dieser Saison gar nicht gespielt haben, werden einen Inaktivitätsabzug beim TTR-Wert erhalten, was kontrovers diskutiert wird. Warum bleibt der Inaktivitätsabzug bestehen? 
Czepera:
 Der TTR-Wert bildet die eigene Spielstärke ab. Wenn man ein Jahr nicht gespielt und kaum trainiert hat – und da ist es unabhängig, ob man verletzt, im Ausland war oder ob eine Pandemie ist – muss man davon ausgehen, dass die Spielstärke ein Stück weit runtergegangen ist. Entscheidend ist: Der Inaktivitätsabzug, eine bundesweit einheitliche Bestimmung, ist immer ausgeklammert von den Gründen der Inaktivität zu sehen. Er ist keine Bestrafung sondern eine Wertekorrektur.

Warum werden Turniere auf Verbandsebene nicht auch schon abgesagt?
Czepera:
 Der DTTB hat viele Veranstaltungen auf Bundesebene im Terminkalender nach hinten oder in den Sommer verschoben. Die Deutschen Meisterschaften finden Ende August statt. Wir haben daraufhin unsere Landesveranstaltungen nicht abgesagt, weil sie ja die Qualifikation für die Bundesveranstaltung sind. Die Bayerischen Meisterschaften, die im Januar hätten ausgetragen werden sollen, können so wahrscheinlich noch im Juli stattfinden. Wenn absehbar ist, dass wir da spielen können mit entsprechendem Hygienekonzept, dann wollen wir das auch durchführen. Für den Seniorenbereich ist das Thema sicherlich noch mal eine andere Hausnummer. Die Internationalen Bayerischen Seniorenmeisterschaften im Mai sind bereits abgesagt. In der Jugend könnten die „Bayerischen“ auch noch stattfinden, ggf. an verschiedenen Terminen/Orten. 

Schließlich kommt die Frage nach den Finanzen aus. Warum erstattet der BTTV die Mannschaftsbeiträge für die annullierte Saison nicht einfach zurück? Und ist stattdessen eine Art Entschädigung geplant?
Czepera:
 Ich verstehe, dass dieser Einwand kommt. Fakt ist: Wir können als e.V. bereits gezahlte Beiträge nicht komplett und auch nicht in Teilen zurückerstatten, weil wir dadurch den Verlust der Gemeinnützigkeit riskieren würden. Das Präsidium des BTTV wird aber einen Antrag an den Verbandsausschuss stellen, dass die Mannschaftsbeiträge für die kommende Spielzeit deutlich gesenkt werden.

TT-Verbände und -Organisationen haben Wettkampf-Alternativen speziell für den Sommer angekündigt. Kannst du schon verraten, was da geplant ist?
Czepera: myTischtennis ist zusammen mit dem DTTB und den Landesverbänden in Planungen. Es soll sich generell um freiwillige Mannschaftswettkämpfe handeln, TTR-relevant, aber sehr flexibel gehalten. Mehr dazu wird demnächst kommuniziert. Wir hoffen natürlich, dass es auch in absehbarer Zeit wieder möglich ist, Race-Turniere zu spielen.

Apropos Hoffnung: Kannst du den Aktiven in Bayern Hoffnung machen, dass zumindest ein Trainingsbetrieb für alle bald wieder möglich ist? Was tut der Verband dafür?
Czepera:
 Letztlich ist alles abhängig davon, was die Politik ausklamüsert. Und da wird es vermutlich so sein, dass der Sport zunächst hinten ansteht. Vorher sind Schulen/Kitas, die Wirtschaft, der Einzelhandel etc. an der Reihe. Wie schon im ersten Lockdown haben wir und andere Sportorganisationen bereits an die Politik appelliert, eine Öffnungs-Perspektive zu schaffen.

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