Jonas Egert (31) kam den Tischtennis-Topstars Dima Ovtcharov, Truls Moregard oder Tomokazu Harimoto so nah wie sonst kaum jemand. Über Monate begleitete der Filmemacher die Tischtennis-Weltstars vom TTC Neu-Ulm, Pokalsieger 2023. Herausgekommen ist der Dokumentarfilm „Ping Pong Paradise“ über den Aufstieg und Fall des Retortenclubs. Der sehenswerte Beitrag holt nicht nur Tischtennis-Fans ab, sondern ist für alle Sportlerinnen und Sportler spannend. Ab dieser Woche ist „Ping Pong Paradise“ in ausgewählten Kinos zu sehen, auch in Bayern (u. a. Bamberg, Nürnberg, München). Regisseur Egert, der den Film als Abschlussfilm seines Studiums an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München drehte (Abschlussnote: 1.0) spricht im „BTTV-Talk“ über den Film, seine gewonnene Leidenschaft für die Sportart und die Moregard-Emotionen.
Jonas, für dich geht es jetzt auf Kinotour, wie fühlt sich das an?
Jonas Egert: Das ist alles Neuland für mich. Ich werde schon geübter, über den Film und über Tischtennis öffentlich zu sprechen. Was mich freut ist, dass ich auch einige Presse-Anfragen u. a. aus meiner Heimat hatte. Das Interesse ist neu und aufregend für mich, aber auch schön.
Du bist eher zufällig auf das Thema Tischtennis und Neu-Ulm gestoßen. Wie bist du als Regisseur in die Sportart Tischtennis eingetaucht?
Egert: Das war tatsächlich gar nicht so einfach, weil Tischtennis und auch der Profisport schon komplex sind und seine Eigenheiten haben. Als wir das Okay gekriegt haben, dass wir drehen dürfen, habe ich angefangen, viel zu recherchieren, mir Videos anzuschauen. Nach einem Testdreh mit der Mannschaft haben wir für uns gesagt, dass wir das Projekt machen wollen. Danach bin ich noch tiefer eingestiegen, habe auch Freunde gefragt, die im Verein spielen. Vieles habe ich auch erst durch den Dreh an sich klarer erfahren.
Was zum Beispiel?
Egert: Wie funktioniert der Profisport, wie der Tischtennissport und wie die einzelnen Protagonisten? Truls Spiel hat mich zum Beispiel begeistert, das kreative und spielerische. Als wir in Schweden gedreht haben, sagte er im Training nach einem erfolgreichen Ball einmal lächelnd zu seinem Vater: „Jonas hat jetzt auch gelernt, was ein Chop-Block ist.“
Apropos Truls: Gerade er zeigt im Film viele Emotionen.
Egert: Auf der einen Seite sind das Profis, die ihrem Beruf und ihrer Leidenschaft nachgehen und auf der anderen Seite ganz normale Menschen, die in der Mittagspause mit ihren Freunden Kaffee trinken. In der einen Szene mit seinem Bruder war Truls total verzweifelt wegen seiner Rückhand und sagte: „Es ist hoffnungslos. Ich bin zu nichts zu gebrauchen.“
Was hat dich am Tischtennis beeindruckt oder überrascht?
Egert: Zum einen, wie komplex die Sportart ist. Und mit welcher Leidenschaft die Sportler dabei sind. Zumal die Aufmerksamkeit ja im Vergleich mit anderen Sportarten gering ist. Es gehört so viel dazu, nach oben zu kommen. Die müssen so unfassbar viel wegstecken, eine ganz große Mentalität mitbringen, viel Leidenschaft – und das oft, ohne das große Geld zu verdienen. Insofern ist das fast eine Parallele zum Filmemacher (lacht). Insgesamt bin ich aber jetzt richtig angefixt vom Tischtennis, ich werde mir auch mit einem Kumpel das WTT Champions in Frankfurt anschauen.
Wie hoch war der Aufwand für den Film?
Egert: Das gesamte Projekt hat etwa drei Jahre gedauert. Das ist schon verhältnismäßig lange für einen Abschlussfilm. Aber der eigene Anspruch an so einen Uni-Abschlussfilm ist natürlich hoch, sodass man am Ende auch überall mitsprechen möchte, beim Titel, beim Plakat etc. Wir hatten insgesamt 60 Drehtage, meistens waren wir nur zu zweit. Das war bewusst gewählt, um auch in den kleinen örtlichen Gegebenheiten wie einer Umkleide gut drehen zu können. Wenn die Spieler einen 8-Stunden-Tag mit zweimal Training hatten, dauerte bei uns der Drehtag meistens 12 Stunden. Das war schon sehr intensiv. Am Ende hatten wir unheimlich viel Material zum Sichten. Und – auch wenn wir schon Szenen im Kopf hatten – wir haben uns alles noch mal angeschaut, damit uns nichts entgeht. Der Sichtungsprozess war sehr lang. Hinzu kam das fremdsprachige Material, Musik, Soundmischung, Untertitel etc.
Wie hast du den Film finanzieren können?
Egert: Wir hatten eine Filmförderung und haben von der Uni auch Räumlichkeiten und Technik zur Verfügung gestellt bekommen. Wir hatten ca. 90.000 Euro an Barmitteln für Reisen, für die Postproduktion, zum Beispiel Honorar für Foley-Experten, also beim Nachvertonen von Geräuschen, und für weitere Dienstleistungen.
Stehst du noch in Kontakt zu den Spielern?
Egert: Sehr wenig. Mit Dima Ovtcharov kooperieren wir, was die Kinotour angeht. Sowohl er als auch Truls schaffen es leider zeitlich aber nicht, mal zu den Vorstellungen zu kommen. Ihr Terminkalender ist einfach zu voll. Regelmäßiger ist der Austausch mit dem damaligen Coach Dmitrij Mazunov, der ja im Mai schon bei der Weltpremiere in München mit dabei war.
Was wünschst du dir von der Kinotour?
Egert: Ich wünsche mir möglichst volle Säle, damit der Film und auch die Sportart eine gewisse Aufmerksamkeit haben. Und ich freue mich auch auf einen guten, direkten Austausch mit dem Publikum, bin gerne offen für Rückmeldungen und Kritik.
Jonas, vielen Dank für das Gespräch!




















