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Personal/Hintergrund  

Investition in die Zukunft: Eine Verbandstrainerin speziell für die Talentsichtung

Andrea Voigt hat die Arbeit aufgenommen

Verbandstrainerin in Teilzeit: Andrea Voigt (r.) kümmert sich um die Talentsichtung. Fotos: privat

Trotz suboptimaler Bedingungen insbesondere des Mankos, dass das Münchner Leistungszentrum nach wie vor über keine feste geschweige denn eigene Halle verfügt, schwimmt der BTTV im Bereich Nachwuchs-Leistungssport seit einigen Jahren auf einer bemerkenswerten Erfolgswelle - mit entsprechend positiven Effekten im Verteilungskampf um Fördergelder aus den einschlägigen Töpfen des Freistaats Bayern. Heuer ragt (bislang) der Gewinn beider Einzel-Titel bei den Deutschen Meisterschaften der Jugend 18 durch Naomi Pranjkovic (SV DJK Kolbermoor) und Matthias Danzer (TV Hilpoltstein) heraus.

Sportlich freilich auch weiterhin wertvoll und erstrebenswert, stellt der diesjährige „Coup des Jahres“ allerdings auch ein perfektes Beispiel für ein Spitzenergebnis dar, das zukünftig im Hinblick auf die Zuteilung von Fördermitteln für den Nachwuchsleistungssport finanziell - salopp formuliert - nichts mehr bringt. „Im Zuge der Reform der bundesweiten LA-L-Rahmenrichtlinien fließen in die verteilungsrelevante Leistungsbewertung der Landesfachverbände im Bereich der Jugend 19 (bisher Jugend 18) künftig nur noch internationale Ergebnisse ein. Nationale Ergebnisse werden - zusätzlich zur Jugend 15 - stattdessen neuerdings schon bei der Jugend 13 fördermittelrelevant. "Beispiele hierfür sind die heuer erstmals ausgespielten Bundesranglistenturniere und der Deutschlandpokal der Jugend 13“, erläutert BTTV Geschäftsführer Dr. Carsten Matthias.

Neben der Teilnahme an WTT-Turnieren gewinnt damit ein Thema an Bedeutung, worin der BTTV bislang im Vergleich zu anderen DTTB-Landesverbänden noch Defizite aufweist: Um auf nationalem Parkett konstant schon bei den Mädchen und Jungen 13, bestenfalls sogar schon den „11ern“ vorne mitmischen können, ist eine systematische Talentsichtung und -förderung sowie Heranführung an leistungssportliche Trainingsstrukturen unerlässlich geworden.

Um genanntes Defizit abzubauen und in jeder Hinsicht langfristig erfolgreich zu bleiben, hat der BTTV personell investiert: Als neue „Verbandstrainerin Talentsichtung“ in Teilzeit (2/3 Stelle) hat die 60-jährige A-Lizenz-Trainerin Andrea Voigt vor wenigen Monaten ihre Arbeit aufgenommen. Als aktive Spielerin hat es die in Bad Königshofen lebende, gebürtige Unterfränkin bis in die 2. Bundesliga gebracht, als Trainerin verfügt sie über einen umfangreichen Erfahrungsschatz, den sie in Bayern und im hessischen „Exil“ sammelte. In Hessen leitete sie u.a. ein All5-Projekt (fünf Vereine, ein hauptamtlicher Trainer) und war als Landestrainerin für den Leistungssport auch im Para-Sport engagiert. Zurück in TT-Bayern kennt man sie u.a. als Mitglied des Lehrteams, BTTV-Honorartrainerin mit vielen Einsätzen z.B. bei Kaderlehrgängen, als ehemalige Jugendtrainerin des TSV Bad Königshofen mit großem Anteil an dessen gewaltigem Aufschwung im Nachwuchsbereich und sportliche „Ziehmutter“ von LZ-Mitglied Konrad Haase, dessen Talent sie früh erkannte und von kleinauf förderte.

Voigts „Mission“: Talente aufspüren, für den Leistungssport gewinnen und optimale Trainings-Grundlagen schaffen
 

Im konzeptionellen Grundsatz ist Voigts „Mission“ als Verbandstrainerin Talentsichtung bayernweit ausgerichtet, muss sich mangels der „Teilbarkeit“ ihrer eigenen Person operativ zuerst einmal vorwiegend auf den Norden des Freistaats beschränken. „Das ist der Nachteil eines Flächenstaats wie dem unseren, allerdings sehe ich im Norden auch den größeren Bedarf. Im Süden ist das Netz an leistungssportlich orientierten Angeboten durch Vereine, Stützpunkte und private Anbieter besser und engmaschiger.“ Inhaltlich umfasst Voigts Aufgabenbereich folgende Eckpunkte:

  • Die aktive Suche nach Tischtennis-Talenten d.h. nach Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis neun Jahren, die motorisch, kognitiv, mental, sozial und geographisch alle Voraussetzungen mitbringen, um Leistungstischtennis zu spielen und zu leben.
  • Die Gewinnung der aufgespürten Talente inklusive deren Eltern, Trainer und Vereine für den Leistungssport.
  • Die Schaffung von Trainingsstrukturen und konkreter Trainingsmöglichkeiten, die dazu geeignet sind, im langfristigen Entwicklungsprozess die Grundlage dafür zu bilden, das vorhandene Potenzial in späteren Jahren zu voller Entfaltung zu bringen.
  • Den Aufbau eines Netzwerks (junger) Trainer mit „Sinn“ für den Nachwuchs-Leistungssport

Kleingruppentraining für 20 ausgemachte Talente angelaufen
 
All das ist bereits in vollem Gange. So konnte Voigt u.a. über den Besuch des Nachwuchstrainings mehrerer Vereine, von Turnieren sowie die Veranstaltung von vier Sichtungstrainings bereits 20 förderwillige Talente „aufspüren“, die nun mindestens dreimal pro Woche trainieren. Zwei Mal im eigenen Verein und einmal in einer T4 (TischTennis, Talent-Training)-Kleingruppe unter Voigts Regie in einem anderen Verein. „Einer der schwierigsten und wichtigsten Schritte war und ist gerade am Anfang der Aufbau von Vertrauen und der Abbau bestehender Hemmschwellen und Vorbehalten. Viele Vereine sind zwar im Breitensport sehr engagiert, haben bzw. hatten bislang aber noch keinerlei Bezug zum Leistungssport. Die Vorstellung, dass es der eine oder andere ihrer Nachwuchsspieler im Tischtennis weit bringen könnte, scheint in kleineren Vereinen geradezu utopisch, ist es aber nicht. Talente gibt es überall und bei deren Förderung bieten wir als Verband unsere Unterstützung an. Das ist unsere Aufgabe, keineswegs will der Verband - eine Befürchtung, die ich in einigen Gesprächen wahrgenommen habe - den Vereinen die Kinder „wegnehmen“ oder gar den Spaß am Sport. Leistungssport bedeutet erstmal die Erhöhung des Trainingsumfangs auf dreimal pro Woche und nicht, dass der Spaß verloren geht, so wie viele Vereine und Trainer befürchten. Ohne Freude am Training kann man heutzutage keinen Leistungssport machen. Da das Konzept vorsieht, dass die Talente nicht nur im eigenen Verein trainieren, gilt es auch die Sorge vor aktiver Abwerbung, die im Rahmen der kooperativen Talentsichtung ein Tabu darstellt, abzubauen. Ich bin überzeugt davon, dass es in Zukunft nur über die Zusammenarbeit der Vereine (auch bezirksübergreifend) vorangeht und stelle zunehmend fest, dass die Vereine dankbar sind für die Angebote und sich freuen, wahrgenommen zu werden. “

Im November findet das erste übergreifende Talenttraining Süd und Nord mit je 12 ausgewählten Mädchen und Jungen der Jahrgänge 2012 bis 2015 in Helfendorf und Herzogenaurach statt.

Eltern, Spieler, Trainer, Vereine und Bezirke, die Fragen/Interesse haben oder Spieler vorschlagen möchten, können sich gerne per E-Mail an a-voigt@bttv.de mit Andrea Voigt in Verbindung setzen.

 

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